World Handicap System – Von der DGV-Spielvorgabe zum Handicap-Index

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Ziel und Planung des World Handicap Systems (WHS)

Das neue Welthandicap-System wird eingeführt, damit sich Golfer auf aller Welt direkt miteinander vergleichen können. Die bisherigen 6 Systeme, von denen bei uns aktuell das EGA-System relevant ist, werden zu einem einheitlichen Handicapsystem zusammen geführt.

In Deutschland wird das neue System 2021 eingeführt. Das Jahr 2020 soll dazu dienen, dass sich alle Beteiligten, wie der DGV, die Golfclubs und die Golfspieler umfassend auf das neue System vorbereiten können.

Das Grundprinzip ist relativ einfach und dürfte wahrscheinlich mittlerweile jedem Golfer bekannt sein. Im Detail gibt es aber noch viele Fragezeichen, wie ich sie auch durch Gespräche mit anderen Golfern immer wieder mit bekomme. Auch für mich stellen sich immer wieder neue Fragen, wie genau das System denn in Zukunft funktionieren wird. Daher habe ich mal versucht, aus den vorliegenden Informationen eine kleine Zusammenfassung zu erstellen. Da der DGV allerdings im Moment noch dabei ist, einige Details zu klären, bleiben aktuell immer noch einige Fragen offen und sollten dann im nächsten Jahr geklärt werden.

Bringt man das neue System auf einen einfachen Punkt, dann berechnet sich das Handicap eines Golfspielers demnächst immer aus den 8 besten Ergebnisse von den 20 zuletzt gespielten handicapwirksamen Runden. Damit wird erreicht, dass das Handicap nicht mehr von einer besonders erfolgreichen Runde deutlich nach unten angepasst wird, sondern die durchschnittliche Spielstärke widerspiegelt.

Erstmalige Ermittlung des Handicap-Index

Zukünftig spricht man vom Handicap-Index. Dieser entspricht quasi der heutigen DGV-Vorgabe. Zwischen der heutigen DGV-Vorgabe und dem zukünftigen Handicap-Index gibt es keine direkte Umrechnungsformel. Sobald das Handicapsystem im Jahre 2021 eingeführt wird, erfolgt die Berechnung aus den 20 letzten handicapwirksamen Runden, die man gespielt hat.

Hier haben wir aktuell genau noch eine Fragestellung, die vom DGV meines Wissens bisher nicht final geklärt wurde. Was sind handicapwirksame Runden? Es ist davon auszugehen, dass ,wie bisher alle 9- und 18-Loch Golfturniere, die vom Golfclub als vorgabenwirksam definiert wurden auch weiterhin zur Berechnung genutzt werden. Weiterhin wird das System der EDS-Runden sicherlich genauso weiter geführt. Ob ggf. die Ergebnisse aus “normalen” Privatrunden auch als handicapwirksame Ergebnisse gewertet werden, ist jedoch nicht klar und ich persönlich gehe ich nicht davon aus – auch wenn ich das sehr begrüßen würde.

Bei der erstmaligen Berechnung wird bei vielen Golfern das Problem auftreten, dass man keine 20 handicapwirksamen Runden in der jüngsten Vergangenheit zusammen bekommen wird. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass hierzu maximal die letzten 3 Jahre betrachtet werden. Mehr als 5 Jahre will man wohl auf keinen Fall zurück gehen.

Bekommt man keine 20 Runden zur Bewertung zusammen, dann wird ggf. mit einer geringeren Anzahl gearbeitet. Funktioniert auch das nicht, wird die bisherige DGV-Vorgabe 1:1 in den Handicap Index umgewandelt. Aus einem heutigen Handicap von z.B. 16,3 wird dann ein Handicap-Index von 16,3.

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Wie erfolgt die Berechnung des Handicap-Index?

Wie heute auch wird der neue Handicap-Index direkt nach jeder gespielten Runde neu berechnet. Hierzu wird geprüft, ob das neu erspielte Ergebnis zu den besten 8 Ergebnisses aus den 20 zuletzt gespielten Runden gehört und dann wird damit einer neuer Durchschnitt ermittelt. Nehmen wir zur Vereinfachung für die Erläuterung einmal an, dass man tatsächlich 20 handicapwirksame Runden in den letzten 3 Jahren gespielt hat.

Bei einer handicapwirksamen Runde wird für den gespielten Golfplatz sowie den genutzten Abschlägen weiterhin die entsprechende persönliche Spielvorgabe ermittelt. Dies geschieht genauso, wie bisher auf Basis des Slope- und Course-Rating. Die heutigen Handicap-Tabellen dürften damit wohl weiterhin genutzt werden. Neu ist nun, dass es kein Stableford-System mehr gibt – also keine Stableford-Punkte berechnet werden. Denn das neue Handicap wird ja nicht mehr auf Basis dieser einen Runde ermittelt, sondern hängt davon ab, ob die gespielte Runde zu den besten 8 Ergebnissen gehört.

Maximales Ergebnis pro Loch (Maximum Score) 

Ohne Stableford Berechnung stellt sich nun aber die Frage, wie die Ergebnisse auf der Golfrunde zur Ermittlung des Handicap ermittelt werden. Hier kommen wir nun zu einer Neuerung, dem Maximum Netto-Score (den es streng genommen schon bei den neuen Golfregeln seit 2019 gibt). Zukünftig wird quasi immer ein „Zählspiel“ gespielt, wobei die maximale Anzahl an Schlägen auf Basis des persönlichen Double-Bogeys ermittelt wird.

Hat man z.B. auf einem Par 4 eine Vorgabe von zwei Schlägen, dann ist das persönliche Par eine 6 (bisher 2 Stablefordpunkte). Das persönliche Double-Bogey ist somit eine 8 und damit das maximale Ergebnis, welches auf der Scorekarte vermerkt wird (bisher also 0 Stablefordpunkte). Das ist dann der Zeitpunkt, an dem der Ball aufgehoben werden kann. Zukünftig sollte man sich dann vielleicht angewöhnen, keinen Strich auf der Scorekarte zu vermerken, sondern das persönliche Double-Bogey (Netto Double-Bogey). Wobei ich davon ausgehe, dass die Clubverwaltungssoftware auch weiterhin mit einem Strich klar kommen wird und diesen dann entsprechend umwandelt.

In Zukunft wird es dann wohl Turniere geben, die entweder mit “maximalem Score” oder nach “Zählspiel” gespielt werden. Im ersten Fall kann der Ball – wie bisher bei Stableford – dann aufgehoben werden, im zweiten Fall muß bis zum bitteren Ende gespielt werden. Für die Berechnung des Handicap-Index ist auf jeden Fall immer der maximale Score die Basis der Berechnung.

Der Differenz-Score ist die Basis für die Berechnung des Handicap-Index

Nun stellt sich die Frage, was denn nun genau die besten 8 Ergebnisse sind und wie damit der neue Handicap-Index berechnet wird.

Hierzu wird ein sogenannter Differenz-Score ermittelt, der sich aus dem Spielergebnis auf Basis des Maximum Score, dem Slope, dem Course-Rating des Platzes sowie dem Standard-Slope von 113 berechnet (ähnlich der Formel für die bisherige Spielvorgabe). Nehmen wir an, dass ein Par 72 Platz ein Course-Rating von 71.5, einen Slope von 125 hat und ein Ergebnis von 96 Schlägen gespielt wurde.

Der Differenz-Score wird nun mit folgender Formel berechnet:

(Spielergebnis – Course Rating) * 113 / Slope Rating

Hat man also z.B. eine 96 gespielt, dann ist der Differenz Score:

(96-71,5) * 113 / 125 = 22,148

Das so ermittelte Ergebnis wird bis auf eine Nachkommastelle gerundet, so dass ein Differenz-Score von 22,2 heraus kommt. Diese neu gespielten 22,2 sowie alle Differenz-Scores der letzten 19 Runden bilden nun die 20 zu betrachteten Runden. Nehmen wir an, die besten 8 Ergebnisse waren: 22,2 / 26,8 / 20,9 / 21,6 / 30,1 / 25,7 / 26,3 / 27,3

Diese werden nun einfach addiert und durch 8 geteilt. Im Beispiel errechnet sich damit ein neuer Handicap-Index von 200,9 / 8 = 25,1125. Dieses wird voraussichtlich ( wie bei des USGA) einfach nach der ersten Dezimalzahl abgeschnitten und ergibt damit einen neuen Handicap Index von 25,1.

Zusätzliche Anpassungen auf Basis der Platzkonditionen und Spielstärke

Wetterbedingungen bzw. Spielbedingungen beeinflussen die Berechnung

Beim neuen Handicap-Index kommt wieder ein alter Bekannter ins Spiel. Der Platzzustand – meist beeinflußt durch das Wetter – soll auch wieder in die Berechnung einfließen. Im Prinzip kommt damit der CSA (competition stableford adjusment) bzw. der CBA (competition buffer adjusment) zurück. Beide Systeme, die sehr umstritten und für viele Golfspieler unverständlich waren, sollten die Wetterbedingungen berücksichtigen. Annahme dabei war, dass bei schlechtem Wetter statistisch die meisten Spieler schlechter spielen und bei guten Bedingungen entsprechend besser gespielt wird. Das persönliche Ergebnisse sollte entsprechend dieses Umstands dann “justiert” werden.

In der Formel des neuen Handicap-Index wird es auch wieder eine entsprechende Justierung geben. Mittels statistischer Ansätze werden alle gespielten Ergebnisse an einem Tag auf einem Golfplatz mit den zu erwartenden durchschnittlichen Ergebnissen der jeweiligen Spieler verglichen. Gibt es hier entsprechende Abweichungen, so wird bei besonders guten Ergebnissen der Differenz-Score um bis zu 1 Punkt erhöht und bei besonders schlechten Ergebnissen um bis zu 3 Punkte reduziert. Die armen Spielführer, die nach einer Turnierrunde wieder erklären müssen, wie die Ergebnisse zustande kommen ;-).

Persönliche Performance geht in die Berechnung ein

Damit es keine zu großen Sprünge bei der Handicap-Anpassung gibt, wie es z.B. bei Stableford-Berechnungen regelmäßig vorkam, wird das aktuell erspielte Ergebnis ggf. auch nochmals angepasst. Wenn man 7 oder mehr Schläge besser spielt, als sein Handicap-Index, dann wird eine zusätzliche Justierung des Ergebnis vorgenommen. Wie diese genau aussieht, habe ich leider noch nicht ermitteln können.

Fazit

Das neue Handicap-System bringt zwar ein paar Neuerungen, an die man sich gewöhnen muß, weicht aber nicht so extrem vom bisherigen System ab, wie vielleicht befürchtet.

Aus meiner Sicht werden die Handicaps demnächst durchaus deutlich von den bisherigen DGV-Vorgaben abweichen. Die Durchschnittsbetrachtung sorgt aus meiner Sicht für eine Handicapdarstellung, die wesentlich näher an der tatsächlichen Performance eines Spielers liegt, als dies bei der Stableford-Berechnung der Fall wahr. Dies wird insbesondere Spieler mit mittleren und höheren Handicaps stärker betreffen, als z.B. Spieler mit einstelligem Handicap.

War es bisher im Stableford-System möglich, mit einer Ausnahmerunde das Handicap deutlich nach unten zu spielen, ist dies nun nicht mehr möglich. Bisher war es dann meist auch so, dass entsprechende Spieler sich “beschwert” haben, dass sie dieses neue Handicap im Moment gar nicht spielen können. Solche Aussagen werden wohl in Zukunft entfallen.

Ein Tipp noch für Spieler, die sich in den letzten drei Jahren vielleicht besonders gut verbessert, dies aber nur mit einer geringen Anzahl Turniere geschafft haben. Diesen Spielern würde ich empfehlen in 2020 besonders viele vorgabenwirksame Turniere zu spielen, damit aus diesen bis zu 20 Runden dann auch die aktuelle Spielstärke bestätigt wird. Setzt natürlich voraus, dass man gleichbleibend gut spielt ;-).

Meine persönliche Vorhersage ist, dass sich viele Golfspieler mit einem Handicap von etwa 10 bis 24 ab 2021 zwischen ca. 2 und 4 Schlägen verschlechtern werden. Ich kenne jedenfalls zahlreiche Spieler, die eher ein wenig schlechter spielen, als ihr aktuelles Handicap widerspiegelt. Man kann dies natürlich auch schon jetzt selbst nachrechnen, in dem man sich die Ergebnisse seiner letzten Golfrunden anschaut.

Ich hoffe, dass ich mit den Ausführungen einige offene Punkte klären konnte und bei den Annahmen nicht zu viele Fehler eingebaut habe. Ich freue mich über Rückfragen, Hinweise zu Fehlern oder sonstigen Hinweisen und bin gespannt auf das Jahr 2021.

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