World Handicap Index – So erfolgt die Umrechnung vom EGA-Handicap

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Wie versprochen gibt es heute nochmal eine ausführliche Beschreibung zur Umrechnung des heute gültigen EGA-Handicaps zum neuen World Handicap Index. Weiterhin habe ich noch ein kleines Tool mittels Google-Tabellen entwickelt, welches ihr für eure persönliche Ermittlung des WHI nutzen könnt. Ein paar neue Begriffe, die in meinem letzten Artikel noch nicht aufgeführt wurden, sind auch nochmal dabei.

Leider ist es aktuell immer noch sehr schwierig an offizielle und vor allen Dingen genaue Infos zu kommen. Der DGV plant wohl erst im Herbst die Clubs und dann schließlich die Spieler entsprechend zu informieren. Daher sind alle Erklärungen und Berechnung aktuell noch mit einem kleinen Vorbehalt versehen und ich kann keine Gewähr für die absolute Korrektheit übernehmen ;-). Allerdings habe ich mittlerweile soviel Infos sammeln können und wurde dabei u.a. auch hilfreich von Peter, einem Blogleser unterstützt, so dass die Abweichungen zur tatsächlichen Berechnung nur marginal sein dürfte.

Tauchen für euch ein paar Begriffe auf, die ihr noch nicht kennt, dann schaut euch nochmals meinem letzten Beitrag an. Zwei Begriffe hatte ich dort allerdings auch noch nicht aufgeführt. Aus „vorgabewirksam“ wird demnächst „handicaprelevant“ und die EDS-Runde heißt demnächst „registrierte Privatrunde“ (RPR).

Berechnung des Score Differentials

Die Formel zu Berechnung des Score Differentials hatte ich ja bereits in einem vorhergehenden Blogbeitrag erläutert. Bisher hatte ich aber die „Course Rating Korrektur“ nicht in der Formel berücksichtigt. Hierbei handelt es sich um einen statistischen Wert, der von der Clubsoftware an Hand der Spielergebnisse aller Spieler ermittelt wird. Mit diesem Wert sollen besondere Platzbedingungen oder spezielle Wetterbedingungen bei der Berechnung des Scores Differentials berücksichtigt werden. So etwas kennen wir ja schon von früheren Versuchen bei der Ermittlung von Spielergebnissen. Die Clubsoftware wird feststellen, wenn das Spielfeld insgesamt besonders gute oder besonders schlechte Ergebnisse gespielt hat und dies dann, wie von „Zauberhand“ in den Wert „Course Rating Korrektur“ umwandeln.

Der Score Differential wird also nun mit folgender Formel ermittel:

ScoreDiff = (gewertetes Brutto – Course Rating – Course Rating Korrektur) * 113 / Slope Rating

Grundsätzlich lässt sich der Score Differential auch mittels Stablefordpunkten ermitteln. Die entsprechende Formel sieht dann wie folgt aus:

ScoreDiff = (Par des Platz + Course Handicap – erspielte Punkte + 36 – Course Rating – Course Rating Korrektur) * 113 / Slope Rating

In dieser Formel taucht der neue Begriff des „Course Handicap“ auf. Dies entspricht der heutigen Spielvorgabe. Also dem „Handicap“, welches man auf Basis von CR und Slope auf dem Platz spielen darf, um genau sein WHI zu spielen. Zusätzlich gibt es noch den Begriff des „Playing Handicap„. In einem normalen Zählspielturnier sind beide Werte identisch. Wenn man aber z.B. einen Vierer oder ein Scramble und ähnliche Spielformen spielt, gibt es Umrechnungen von dem Course Handicap zu einem Playing Handicap, so, wie das bisher auch schon der Fall war. Da dies für einige Golfer auch von Interesse sein könnte, widme ich mich wahrscheinlich in einem der nächsten Blogbeiträge dem Thema, welche Anpassungen es bei welcher Spielform in der Regel gibt.

Berechnung des Score Differential bei 9-Loch Runden

Die Handhabung der WHI Berechnung auf Basis von 9-Loch Turnieren hatte ich bisher noch gar nicht erläutert. Ähnlich, wie bisher auch, erfolgt dies durch eine „Hochrechnung“ der Ergebnisse auf eine 18 Lochrunde. Dies geschieht in folgender Form:

  1. Ergebnisse der 9-Lochrunde werden ermittelt (jeweils das gewertete Brutto)
  2. für die zweiten 9 Loch werden die Netto-Pars der gleichen! 9 Löcher ermittelt und zu dieser Summe noch ein Schlag hinzu gerechnet. Bei Stableford würde das 17 Punkten entsprechen.
  3. Die beiden Summen (gew. Brutto) bilden dann das Spielergebnis für 18 Löcher
  4. Nun nutzt man wieder die Formel zu Berechnung des Score Differential mit dem Unterschied, dass nur der halbe Course Rating Korrekturwert berücksichtigt wird.

ScoreDiff = (gewertetes Brutto – Course Rating – (0,5 * Course Rating Korrektur) * 113 / Slope Rating

Umrechnung des EGA-Handicap in den World Handicap Index

Bisher war ich immer davon ausgegangen, dass die erstmalige Umrechnung aus den letzten 20 vorgabewirksamen Ergebnisse der letzten 4 Jahre ermittelt wird und dann die besten 8 Ergebnisse zur Berechnung heran gezogen werden. Ferner war ich der Meinung, dass bei weniger als 20 Ergebnissen immer noch die besten 8 Ergebnisse und bei weniger als 8 Ergebnissen dann schließlich alle vorhanden Ergebnisse für die Durchschnittsberechnung genutzt werden. Dies scheint nach meinen neuesten Erkenntnissen jedoch ein kleiner Irrtum gewesen zu sein.

Ausnahmen bei Spieler mit EGA-Handicaps von 26,5 und höher

Grundsätzlich wird für alle Spieler, egal welches aktuelle Handicap sie haben, die gleiche Umrechnung für den WHI angewendet. Bei der konkreten Ermittlung des WHI wird allerdings abweichend zu den niedrigeren Handicaps wie folgt vorgegangen:

  • wird ein WHI ermittelt, der niedriger ist als das heutige Handicap, dann wird der WHI so genommen
  • wird ein WHI ermittelt, der höher ist als das heutige Handicap, so wird das heutige Handicap als WHI genommen
  • Möchte ein Spieler diese Fixierung auf das heutige Handicap nicht wahrnehmen, kann die Spielleitung informiert werden, dass das neu berechnete höhere WHI genutzt werden soll

Gewertete Score Differentials in Abhängigkeit von der Anzahl verfügbarer Score Differentials

Wie bereits erwähnt, werden zur Ermittlung des WHI nicht einfach die besten 8 verfügbaren Ergebnisse aus den bis zu 20 gespielten Score Differentials ermittelt. Wenn weniger als 20 Runden verfügbar sind und bei der Umrechnung soll ja wohl nur auf die letzten 4 Jahre geschaut werden, dann wird nachfolgende Tabelle zur Ermittlung genutzt. Neben der Anzahl der besten Ergebnisse, die tatsächlich zur Berechnung heran gezogen wird, gibt es auch noch einen Ausgleichswert. Dieser wird insbesondere bei sehr wenigen Ergebnissen genutzt und verbessert den WHI immer positiv.

Anzahl Score DifferentialAnzahl Score Differentials für die BerechnungAusgleichswert
1der niedrigste Wert-2
2der niedrigste Wert-2
3der niedrigste Wert-2
4der niedrigste Wert-1
5der niedrigste Wert0
6Durchschnitt der niedrigsten 2-1
7-8Durchschnitt der niedrigsten 20
9-11Durchschnitt der niedrigsten 30
12-14Durchschnitt der niedrigsten 40
15-16Durchschnitt der niedrigsten 50
17-18Durchschnitt der niedrigsten 60
19Durchschnitt der niedrigsten 70
20Durchschnitt der niedrigsten 80
Ermittlung der Score Differentials und des Ausgleichswert zur Berechnung des World Handicap Index

Hat man also in den letzten 4 Jahren nur maximal 5 vorgabewirksame Ergebnisse im Stammblatt, dann wird nur das beste Ergebnis heran gezogen und zum WHI umgewandelt. Hierbei wird dann noch der angegebene Ausgleichswert berücksichtigt. Bei maximal 3 Ergebnissen werden also nochmals 2 abgezogen.

Damit werden die Diff.Scores 23,4 / 18,5 / 20,1 zum WHI von 16,5 (bzw. -16,5). Der niedrigste Wert ist 18,5 und da es nur drei Werte gibt werden nochmals 2 abgezogen (Ausgleichswert).

Bei 10 Ergebnissen: 10,4 / 11,3 / 12,5 / 10,8 / 15,2 / 13,2 / 12,2 / 14,0 / 13,2 / 11,9 werden also die besten 3 Ergebnisse (10,4 / 10,8 / 11,3) heran gezogen. Der Ausgleichswert ist in diesem Fall 0 und es kommt ein WHI von (10,4+10,8+11,3) / 3 = 10,83333 = 10,8 (gerundet auf das erste Zehntel) zu Stande.

In der Betrachtung bei weniger als 20 Ergebnissen kommt aber zusätzlich noch ein sogenanntes Ankerergebnis hinzu, welches nachfolgend erläutert wird und in der obigen Darstellung noch fehlt.

Umrechnung ohne eine vorgabewirksame Runde in den letzen 4 Jahren – Das Ankerergebnis

Einen kleinen „Fehler“ haben wir in der obigen Darstellung noch. Grundsätzlich gibt es sicherlich auch zahlreiche Spieler, die in den letzten 4 Jahren überhaupt keine vorgabewirksame Runde gespielt haben. Hier spielt das sogenannte Ankerergebnis eine wichtige Rolle.

Das Ankerergebnis entspricht dem aktuellen EGA-Handicap. Hat man also aktuell ein Handicap von -16,2 dann ist das Ankerergebnis 16,2 und wird quasi als einziges Diff.Score ins Stammblatt eingetragen. Hier gibt es aktuell leider keine konkrete Beschreibungen beim DGV. Ich gehe aber mal davon aus, dass das Ankerergebnis als Diff. Score eingetragen wird und dann erst die obige Berechnung durchgeführt wird. Dies führt dann dazu, dass das neue Handicap auf Grund des Ausgleichswerts immer 2 Schläge besser ist, als das heutige EGA-Handicap. Aus dem heutigen Handicap -17,1 wird somit ein WHI von -15,1.

Das Ankerergebnis wird aber nicht nur bei Spielern genutzt, welche in den letzten 4 Jahren keine vorgabewirksamen Runden gespielt haben, sondern bei allen Spielern, die weniger als 20 Score Differentials haben. Hat man also nur 3 Score Differentials, dann wird das aktuelle Handicap als 4. Ergebnis in das Stammblatt eingetragen. Das Ankerergebnis wird dabei immer als das älteste Ergebnis geführt und fällt aus der Wertung, wenn 20 Score Differentials vorhanden sind.

Beispiel einer Umrechnung vom EGA-Handicap zum World Handicap Index

Umrechnung des persönlichen EGA-Handicaps

Nachdem wir nun alle Informationen zusammen getragen haben, kann jetzt jeder seine persönliche Umrechnung vornehmen. Wenn tatsächlich nur die letzten 4 Jahre betrachtet werden und die Umrechnung quasi am 1.1.2021 erfolgt, dann werden nur vorgabewirksame Runden bis zum 01.01.2017 betrachtet.

Hat man weniger als 20 Runden, die in die Berechnung einfließen können, dann ist also das Ankerergebnis (das aktuelle Handicap) das erste Ergebnis, welches quasi mit Datum „01.01.2017“ in das „Stammblatt“ zusätzlich eingetragen wird.

Nun ermittelt man die Anzahl der vorhanden vorgabewirksamen Runden zuzüglich dem Ankerergebnis und ermittelt aus der obigen Tabelle, wieviel Score Differentials tatsächlich in die Berechnung einfließen. Zusätzlich ermittelt man dann noch den Ausgleichswert und kann sein neues World Handicap berechnen.

Für diejenigen, die im Laufe des Jahres feststellen wollen, wie sich aus den aktuellen Spielergebnissen bzw. den Ergebnissen der letzten 4 Jahre das neue Handicap ermittelt, habe ich eine kleine Google Tabelle entwickelt (siehe Bild oben).

Dort kann man seine Ergebnisse eintragen und hat die Umrechnung auf den neuen World Handicap Index immer im Blick. In dem Sheet ist auch eine kleine Anleitung enthalten, so dass die Nutzung hoffentlich recht einfach möglich ist. Aus den Infos des Stammblatts wird auch immer ein gewertetes Brutto berechnet, so dass man schon mal ein Gefühl für diesen Wert bekommt.

Die Tabelle erhaltet ihr hier und sie sollte auch als Microsoft Excel Tabelle nutzbar sein, wenn man kein eigenes Google Konto hat. Wenn ihr ein Google Konto habt, dann könnt ihr im Menü „Datei“ eine Kopie erstellen, die dann bearbeitbar ist. Wer eine Excel-Tabelle benötigt, findet unter dem Menüpunkt „Datei“ eine Funktion zum Herunterladen der Tabelle als Excel-Datei.

Falls ihr Fehler entdeckt oder es neuere Infos gibt, die in Widerspruch zu meiner Umrechnung stehen, dann gebt mir gerne über die Kommentare Bescheid. Viel Spaß bei der Ermittlung des neuen Handicaps.

UPDATE 13.07.2020

Gerade habe ich noch nachfolgendes Video bei Youtube entdeckt, welches die Basis des World Handicap Index auch nochmal sehr schön erklärt.

World Handicap System (WHS) Erklärt (Deutsch)⛳ - Golf-Club Heilbronn-Hohenlohe

3 KOMMENTARE

  1. Hallo Jürgen,
    super Artikel, einmal mehr! In Kombination mit den beiden vorausgehenden Informationen ergibt sich hier wirklich so langsam ein Bild. Und damit bist Du dem DGV einige Schritte voraus.
    Also alles verständlich erklärt, und so wie ich es sehe auch alle Besonderheiten berücksichtigt.
    Dein Berechnungstool ist ebenfalls klasse. Ich habe es mit Excel und zwei Spieler getestet; erfolgreich. Zu beachten ist folgender Punkt:
    „6. Unter Stableford wird das erzielte Stableford Ergebnis eingetragen“
    Hier ist bei einer 9-Loch-Runde zu beachten, dass von dem bisherigen ermittelten Wert (also der, der im Stammblatt steht), ein Punkt abgezogen werden muss, da bei der WHI-Berechnung nur noch 17 Punkte für die zweiten 9-Loch gewertet werden.
    Wie gesagt, super Info, klasse tool; bin auf die Reaktionen bespannt.
    Weiter so und schönes Spiel aus Mannheim

    • Danke für das Feedback und den Hinweis zu den 9-Loch Ergebnissen. In der Tat gibt es bezüglich der erstmaligen Umrechnung auch keine genaue Beschreibung, wie die bisherigen 9-Loch Ergebnisse in der Umrechnung berücksichtigt werden. Es wäre schön, wenn der DGV hier insgesamt mal ein wenig Licht in die konkreten Vorgehensweisen bringen würde.

  2. Hab das mal für mich mit dem Excel-Sheet durchgerechnet. Meine HCP steht zur Zeit auf -11,3. Nach Eingabe der letzten 20 vorgabewirksamen Runden (bis Anfang 2019) spuckt mir Deine Excel-Tabelle ein Handicap Index von -11,4 aus. Spannend: Wenn ich meine letzten 20 Runden eingebe, komme ich auf ein Handicap Index von -6,9. Ich wäre also sehr dafür, dass auch Privatrunden gewertet werden…

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